S/4HANA – Q1/2020 Update

S/4HANA ist nach wie vor das Produkt der SAP, an der sie sich messen lassen muss.

Auch für das Thema Analytics ist S/4HANA wichtig. Durch das heben des SAP ERP-System auf HANA hat das Thema Analytik hier Stück für Stück an Bedeutung gewonnen.

Analytische Aspekte von S/4HANA sind:

  • Embedded BW – Bereits seit das SAP ERP auf SAP NetWeaver 7.0 verfügbar ist, enthält es immer auch ein SAP BW, ob dies genutzt wird oder nicht.
  • Embedded Analytics – Fiori-basierte Apps, welche Core Data Services und Embedded BW-Logik nutzen um für verschieden Anwendergruppen einfach zu handhabende Analysen und Visualisierungen zur Verfügung zu stellen.
  • Embedded Machine Learning – Die zunehmende Möglichkeit ML-Verfahren z. B. aus SAP Analytics Cloud Smart Predict in S/4HANA-Applikationen über Predictive Analytics Integrator zu integrieren
  • BPC for Finance – Die Möglichkeit, die BPC-Planungsengine zu nutzen und direkt in die ACDOCP zu schreiben.
  • Group Reporting – Konsolidierung direkt im S/4HANA mit der Möglichkeit direkt in die ACDOCU zu schreiben
  • Embedded SAP Analytics Cloud – Die direkte Integration von SAC in SAP S/4HANA Cloud

Die Bedeutung ist so groß, dass jedes Quartal die Zahlen veröffentlicht werden, wie viel Kunden nun S/4HANA lizenziert und u. U. sogar implementiert haben.

Also gab es zum Q1/2020 für S/4HANA wieder neue Zahlen. Wie immer muss man sich die Details etwas zusammensuchen und evtl. auch mal Abschätzungen machen, z. B. wie viele SAP ERP-Kunden es überhaupt gibt:

S4HANA Zahlen

Nun, in Q4 wurden 1.200 Neukunden noch groß gefeiert. Der Vergleich zeigt aber, dass Q4 immer das stärkste und Q1 immer das schwächste Quartal ist. Bisher waren in Q1 in den 2 Vorjahren 400 Neukunden zu verzeichnen. Im Q4 waren 1000+ Kunden die Regel.

Mit „nur“ 300 Kunden bei auch noch rund 45% Neukunden (135 neu / 165 Bestandskunden) ist das keine rühmliche Zahl. Selbst die Verlängerung der Wartung auf 2027 bzw. 2030 ist eher utopisch zu sehen, um bis dahin den größten Teil der Kunden auf S/4HANA zu heben. Da muss sich die SAP noch einiges einfallen lassen, denn Corona wird hier aktuell sicherlich auch keinen positiven Effekt haben.

Mit den laufenden Projekten kann man u. U. auch ein Forecasting machen. Sieht man, dass in Q2/2018 4200 Kunden ein S/4HANA (Brownfield/Greenfield) laufen hatten und hofft man, dass es nicht signifikante Projektabbrüche gab, dann sind auf Basis der Live Customer-Zahlen die Projekt im Durchschnitt mindestens 1,5 Jahre gelaufen. Wie lange diese in Q2/2018 bereits liefen, kann ich ja nicht sagen.

S/4HANA – Update der Zahlen für Q4/2019

So, die SAP hat die Q4-Zahlen für 2019 veröffentlicht. Es gibt Anlass zu Spekulationen:

Das deckt sich auch mit meinen Zahlen („SAP ERP Customers“ = alle heutigen SAP ERP/ECC-Kunden, die zum Großteil auch in Richtung S/4HANA gehen werden):

S4HANA_1

Diese habe ich aus meiner Analyse vom November fortgeführt. Zusätzlich habe ich leichte Korrekturen vorgenommen. Die SAP selbst hat nämlich im Q4/2019-Bericht rückwirkend die Zahlen etwas optimiert, wer alles ein S/4HANA-Kunde ist:

S4HANA_2

Eigentlich müsste ich damit auch die Zahl „SAP ERP Customers“ etwas nach oben korrigieren. Da diese aber wie weitere, für die ich nur ein Fragezeichen setzen kann, nicht veröffentlicht ist und nur in etwa aus Drittquellen hergeleitet werden kann, lass ich die einfach stehen und die SAP gewinnt somit ein wenig.

Da erneut 40% der Kunden (->480) komplett neu sind, schwindet die Non-S/4HANA- bzw. klassische SAP ERP/ECC-Basis jedoch nur gering.

Selbst wenn man 1200 neu lizenzierte Kunden als positiv empfindet, zeigt oben stehende Zeitreihe doch auch klar einen Q4-Effekt. Die letzten 3 dargestellten Jahre hatten hier immer 1000+ Kunden. Allerdings auch nur Q1: 400, Q2: 533 und Q3: 567 neue S/4HANA-Kunden im Durchschnitt.

Das SAP keine Aussage zu den gesamten ERP-Kunden macht, wie auch zu Kunden die Live oder zumindest im Projekt sind, lässt tiefer blicken. Zumal Aussagen dazu durchaus früher schon gemacht wurden.

Setzt man (sehr) naiv das Q4-Wachstum fort, mit 40% Neukunden und 1200 Kunden, die insgesamt auf S/4HANA gehen, dann hat SAP in 2027 alle Kunden mit Lizenzen beglückt. Würde man mit den durchschnittlichen Wachstumszahlen der letzten 3 Jahre arbeiten, würde es sogar bis 2033 dauern. Über die Implementierungen sagt das freilich noch nichts aus. Nach den letzten Zahlen kann man evtl. von einer Quote von 20-25% der Kunden ausgehen, die damit auch wirklich Live sind.

S4HANA_3

Das Ganze ist hier natürlich ein etwas spekulatives Zahlenspiel mit den lückenhaften, verfügbaren Informationen. Hört man sich aber mal bei den CIOs um, dann spiegelt das den Stand für mein Gefühl ganz gut wieder. In Richtung 2025 ist natürlich auch eine deutliche Zunahme der Geschwindigkeit zu erwarten – welche die Statistik bis heute allerdings noch nicht zeigt. Bleibt zu hoffen, dass man in die Richtung auch noch genug Partner findet, die die dann gewünschten Projekte auch umsetzen (können).