BARC Score Data Discovery 2017 vs. 2018

BARC hat für 2018 einen neuen BARC Score für Data Discovery veröffentlicht. Fast genau ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten BARC Scores zu dem Thema kommt somit die Neuauflage.  Mit dem Neuzugang Datameer sind in 2018 dreizehn Anbieter zu finden.

Was das Thema ausmacht, jedoch auch wie SAP (mit SAP Analytics Cloud) und auch Microsoft (mit MS Power BI) hier abschneiden, möchte ich im Folgenden etwas genauer betrachten.

BARC hat eine eigene Definition für den Begriff Data Discovery:

„Data Discovery is the business user driven and iterative process of discovering patterns and outliers in data“

– BARC, 2017

Wikipedia fast den Begriff etwas pragmatischer:

„Der Begriff Data Discovery („Datenentdeckung“) gilt als Schlagwort für weiterentwickelte Business-Intelligence-Werkzeuge, die mehr Bedienerfreundlichkeit und Flexibilität sowie höchstmögliche Autonomie der Anwender gewährleisten sollen. Der Schwerpunkt liegt in der Visualisierung der Datenanalyse.“

Wikipedia, 19.09.2018

BARC fasst unter Data Discovery drei wesentliche Komponenten zusammen:

  • Data Preparation
  • Visual Analysis
  • Guided Advanced Analytics

An diesen Aspekten muss man sich auch messen lassen, um im BARC Score aufzutauchen.

2015 beschreibt Rita Sallam von Gartner im News-Beitrag Gartner Says Power Shift in Business Intelligence and Analytics Will Fuel Disruption“ Smart Data Discovery. Die Vorstellung von BARC und Gartner dürften sich hiermit weitgehend treffen.

Mitte 2017 greift Rita Sallam das Thema erneut auf und gibt der seitherigen Entwicklung einen neuen Namen: Augmented Analytics – mit Machine Learning und Conversational Analytics als neue Treiber.

Im Vergleich der Überblicksartikel sowie weiterer große Textteile im BARC Score fällt auf, dass sich hier im Prinzip nicht viel geändert hat und für BARC Copy & Paste offensichtlich weitgehend ausgereicht hat.

Inklusionskriterien und Evaluationskriterien haben sich zum Vorjahr im Wesentlichen nicht verändert. Zu den oben genannten drei Aspekten der ersten Score-Achse „Portfolio Capabilities“ kommt noch der Aspekt „Platform“ hinzu. Die individuelle Verarbeitung von Daten sowie die Verbreitung inkonsistenter Analyseergebnisse haben in der Vergangenheit zu einem Vertrauensverlust geführt. Deshalb bewertet BARC auch den Aspekt, lokale und globale Governance zu unterstützen sowie die Kollaboration rund um die Daten zu ermöglichen, ohne den Anwender im Fachbereich zu sehr einzuschränken.

In der Zweiten Score-Achse „Market Execution“ gab es eine kleine Anpassung. Wurde 2017 der Aspekt „Financials“ noch mit Medium bewertet, ist die Gewichtung in 2018 nur noch Low. Unter Financials versteht BARC Marktkapitalisierung, EBITDA, Cash, Profitabilität usw. Es ist anzunehmen, dass die großen Anbieter darunter etwas leiden. Jedoch ist dies hier nur eines von acht Kriterien.

Der BARC Score beginnt in sofern interessant, als das es keinen „Dominator“ rechts oben mit auf beiden Achsen extrem starken Wertungen gibt. Offensichtlich haben alle Tools auch Ihre Schwächen.

Wie 2017 finden sich im zweitbesten Bereich „Market Leaders“ Tableau und MicroStrategy. Neu hinzugestoßen in 2018 ist Qlik mit Qlik Sense. Vergleicht man mal mit den aktuellen Gartner Magic Quadrant für Analytics & BI, überraschen die Market Leader wenig. Der Fokus mag nicht genau der gleiche sein, was es interessant macht zu sehen, warum Power BI von Microsoft zwar auch im BARC Score stark ist (beste Market Execution), jedoch im Bereich Portfolio Capabilities zu den anderen zurück bleibt und somit nur im nachfolgenden „Challenger“-Bereich landet. Microsoft findet sich dort recht nahe zu SAP, welche zwar immer noch Challenger ist, jedoch im Vergleich zu 2017 in der weiteren Entwicklung wohl nicht ganz mit Microsoft mithalten konnte.

 

Bewertung von Microsoft Power BI 

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Beispiel für MS Power BI Desktop (eigene Darstellung)

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Update Power BI-Service für Juli & August 2018

MS Power BI (PBI) ist ein Desktop BI-Tool mit cloudbasiertem BI-Service für die Veröffentlichung und Verteilung von BI-Inhalten. Eine On-Premise-Version (Berichtsserver) ist aktuell in Arbeit und bereits einsetzbar.

Treiber für PBI ist die starke Verbreitung von Microsoft sowie der sehr günstige Einstiegspreis. Die Sprache DAX erlaubt komplexe Funktionen in der Datenvorbereitung, erschwert jedoch den einfachen User u. U. die Nutzung. Die Stärke liegt in den Visualisierungsmöglichkeiten. Advanced Analytics steht bedingt zur Verfügung, R kann für fortgeschrittene User integriert werden.

Während BARC das im Unternehmen oft vorhandene Microsoft-Wissen als klare Stärke ansieht, ist die Kundenzufriedenheit in 2017 doch eher niedrig. In 2018 hat sich Microsoft hier aufgrund regelmäßiger Updates deutlich verbessert.

Stärken:

  • Quick Insights für geführte fortgeschrittene Analysen (nur 2017)
  • Natural Language Query-Funktionen für Visualisierungen (Q&A)
  • Integration in die Microsoft-Produktwelt
  • Nachvollziehbarkeit aller Datenvorbereitungsschritte, sowie diese zu ändern oder rückgängig zu machen
  • Gute Führung innerhalb der Datenvorbereitung (nur 2018)

Herausforderungen/Schwächen:

  • Datenimporte (Volumen) sowie der Live-Zugriff auf Quellen ist noch recht eingeschränkt
  • Datenvorbereitung und Modellierung ist nur im Desktop möglich
  • In der Datenvorbereitung sind nicht alle Funktionen über Wizards oder kontextsensitive Aktionen abgedeckt (2018)
  • Automatisierte Insights sind nur in der Cloud verfügbar und brachten in den Testfällen keine signifikanten Muster hervor.

 

Bewertung von SAP Analytics Cloud

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Beispiel für SAP Analytics Cloud (eigene Darstellung)

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Aktuelles Update (2 Wochen-Rythmus)

SAP vollzieht aktuell einen Wechsel im Bereich Data Discovery. Bisher war SAP Lumira als Desktop-Werkzeug das führende Produkt in diesem Bereich.  In 2018 hat die Strategie komplett zu SAP Analytics Cloud (SAC) gewechselt. SAC wird von BARC als Produkt mit einer vollständigen Vision für Data Discovery angesehen. Einschließlich Datenvorbereitung, visuelle Analyse, fortgeschrittene Analysen sowie als einziges der getesteten Werkzeuge Planung und Budgetierung. Jedoch ist der Reifegrad in bestimmten Bereichen noch nicht sehr ausgeprägt.

Der Umfang an Konnektoren ist bei SAC deutlich geringer als bei anderen Anbietern. Jedoch ist die Datenvorbereitung noch schwach ausgeprägt und ein grundlegendes Datenprofiling ist zwar möglich, jedoch aktuell nur bedingt hilfreich.

Advanced Analytics ist mit den Smart Discovery-Funktionen eine starke Säule des Produkts. Auf Basis der Testdaten konnten jedoch keine in den Daten verfügbaren Muster identifizieren.

Die Führung bei der Datenexploration wird aktuell nicht als ausreichend und flexibel genug angesehen. Jedoch gibt es anständige Visualisierungsmöglichkeiten kombiniert mit guten Kollaborations-, Kommentierungs- und Storytellingmöglichkeiten.

Stärken:

  • Breite BI- & Analytics-Fähigkeiten, integriert in einem Angebot
  • Die Möglichkeit, Ad-hoc Datenmodelle sowie zentrale Datenmodelle in Lösungen zu nutzen
  • Eine gute Führung bei fortgeschrittenen Analysen mittels „Smart Discovery“
  • Konnektivität und vordefinierte Inhalte für SAP-Datenquellen und -Anwendungen

Herausforderungen/Schwächen:

  • SAC ist nur in der Cloud verfügbar und immernoch ein relativ junges Produkt mit in einigen Bereichen eingeschränkten Möglichkeiten
  • Konnektoren fokussieren auf SAP
  • R-Integration ist nur für Datenvisulisierung, jedoch nicht für die Datenvorbereitung verfügbar
  • SAC ist die einzige Lösung im Anbieterfeld, welche in mehreren Bereichen keine Ergebnisse liefern konnte
  • Geringe Wahrnehmung außerhalb der SAP Kundenbasis

 

Fazit

Nun, das Urteil bzw. die Schwächen bei SAP Analytics Cloud erscheinen aktuell sehr hart. SAP hat hier aktuell einen Strategiewechsel hinter sich und liefert in hoher Geschwindigkeit neue Features aus. SAP hat eine große Vision mit SAC, jedoch aktuell noch viele Schwächen. Die aktuelle Roadmap macht das ganze nur noch ambitionierter. Nicht untypisch für SAP fokussiert SAP erstmal auf SAP. Das ist Stärke und Fluch zugleich.

MS Power BI steht aktuell stark da und wird schon länger von Microsoft als führendes Frontend-Werkzeug fokussiert. Auch hier hatte man eine Lernkurve, welche deutlich früher begonnen hat und ist daher z. B. SAP heute in einigen Bereiche noch klar voraus. Auch der Community-Support macht heute bei MS einen besseren Endruck im Vergleich zur SAP.

Einerseits ist es schön, hier doch recht unterschiedliche Fokussierungen und Entwicklungspfade zu sehen. Anbieter wie Qlik und Tableau sind in dem Umfeld bereits lange unterwegs und spielen ihre Erfahrung als Stärke aus. Andererseits zeigen sich ähnliche Releasezyklen im Rahmen agiler Entwicklungsmethoden und oberflächlich betrachtet unterscheiden sich die Tools in den Möglichkeiten erstmal nur bedingt. Cloud ist ein großer Enabler für Innovation und gefühlt wird jede neue Technologie reingebuttert, um dem Kunden einen Mehrwert zu bieten und sich von der Konkurrenz abzuheben.

BARC: The BI Survey 16

Die Zusammenfassung der Ergebnisse der BARC BI Survey 2016 sind da! Schauen wir mal, was sie im Vergleich zu 2015 und bezüglich SAP zu bieten hat. Und als kleines Novum, weil Microsoft BI bei mir aktuell auch immer mal ein Thema ist, möchte ich diesmal die beiden gegeneinander vergleichen.

Als erstes fällt mir auf, dass BARC diesmal etwas mehr Umfang spendiert hat. 66 Seiten sind es diesmal (2015:43; 2014:42).

37 Werkzeuge wurden diesmal verglichen (2015:35; 2014:34). Damit ist eine Marktkonsolidierung in den letzten Jahren kaum zu erkennen. Waren neben den „BI giants“ 2014 und 2015 noch die kleinen Anbieter und Open Source-Anbieter im Fokus, so wurde das Thema Open Source wohl von SaaS BI-Lösungen verdrängt.

SAP in der BI Survey

  • SAP hat lt. Umfrage bei seinen Anwenderunternehmen eine durchschnittliche Nutzung von etwa 11% für Design Studio und Web Intelligence. SAP BEx folgt mit 10% und BO Analysis erst bei 4% der Anwender als Schlußlicht in der Umfrage. Dies stellt Werte deutlich im unteren Bereich dar.
  • Wie gewohnt sind SAP BI-Produkte eher bei größeren Unternehmen (>2.500 Mitarbeiter) zu finden.
  • SAP BW wird für Neuanschaffungen im BI-Umfeld in 16% der Fälle evaluiert. Dicht gefolgt von Web Intelligence, BO Analysis und dann noch Design Studio. Im einstelligen Prozentbereich sind aber genauso noch Crystal Reports, BEx, Lumira, BPC und BW-IP vertreten, womit SAP mit einer breiten Palette an Werkzeugen unterwegs ist.
  • Bei der finalen Kaufentscheidung hat es Web Intelligence auf den 5. Platz (12%) geschafft. Kurz darauf folgen aber auch Design Studio, BEx und BO Analysis.
  • Beliebte Frontend-Werkzeuge für SAP BW sind die typischen SAP-Werkzeuge wie führend BEx (62%), BO Analysis, Web Intelligence und Design Studio. Als 3rd-Party Frontends sind QlikView und Tableau noch am beliebtesten.
  • SAP BEx ist in der Umfrage das Werkzeug, mit der längsten durchschnittlichen Implementierungszeit (11 Monate)

Microsoft in der BI Survey

  • Unternehmen mit MS Excel verwenden dies im Schnitt zu 40% für BI. Andere MS-Tools sind MS SSRS (21%) und MS Power BI (14%)
  • Microsoft ist mit seinen Werkzeugen eher bei Kunden im Mittleren Bereich bis 2.500 Mitarbeiter vertreten.
  • MS-Produkte werden nach QlikView und Tableau am häufigsten für eine Neuanschaffung evaluiert. Das sind MS Excel, MS SSAS, MS SSRS und Microsoft Power BI. Mit etwas Abstand bei 12% ist MS SharePoint Server Excel Service noch zu erwähnen.
  • MS Excel ist die häufigste Kaufentscheidung. MS SSRS folgt an 3. und MS Power BI an 6. Stelle.
  • Für MS SSAS wurden Frontend-Werkzeuge analysiert. Dabei kommen MS SSRS (55%) und MS Excel (mit oder ohne Add-In) am häufigsten vor. Als 3rd Party Frontends folgen Tableau, Bissantz, Cubeware und QlikView.
  • MS Power BI zählt mit einer Implementierungszeit von durchschnittlich 3 Monaten zu den am schnellsten eingeführten Lösungen.

Ergebnisse

Wie im Vorjahr, sind der Finanzbereich, das Management und der Vertrieb Hauptnutzer von BI-Lösungen. Nah dran mit mehr als 50% jedoch auch noch die Bereiche IT und Produktion.

Grundsätzlich sieht BARC eine Erweiterung der Nutzung in Richtung Marketing, wo neue, externe Datenquellen auf neue Arten zusammen geführt werden.

Die Mehrzahl der Anwender kann durch BI schneller und genauer Berichte erstellen, planen und analysieren. Für viele verbessert sich damit auch die Entscheidungsfähigkeit und die Datenqualität.

Die starken Trends in 2016 sind Data Discovery und Self-Service BI mit jeweils über 50% der Anwenderunternehmen. Im größer 20%-Bereich befinden sich dann noch Real-Time, Collaboration, Visual Design Standards und Mobile BI.

Cloud BI wird aktuell nur von etwa 12% der Unternehmen genutzt. Hierbei vor allem Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. MS Power BI hat als Produkt die Nase vorn, während SAP hier mit den vorgestellten Produkten bisher kaum gesehen wird.

Was finden Unternehmen an Cloud BI (Top 5):

  • Keine Hardware/Infrastruktur-Kosten
  • Geringe Administrationskosten
  • Skalierbarkeit
  • Verfügbarkeit
  • Schnellere Software-Updates

Die aktuelle BI Survey zeigt, dass SAP BI und MS BI durchaus in einem Unternehmen zu finden sein können, ihre Schwerpunkte jedoch in Unternehmen verschiedener Größen und auch in zum Teil verschiedenen funktionalen Bereich haben.

SAP mag mit seiner Cloud BI-Strategie anderen Herstellern am Markt hinterher zu sein. Jedoch ist denkbar, dass SAP in den nächsten 1-2 Jahren aufgeschlossen hat und in Bereichen gut positioniert ist, in denen SAP heute kaum sichtbar ist.

Eine klare Gemeinsamkeit zeigt die Studie. Beide Hersteller sind mit einer breiten Pallete an BI-Werkzeugen auf dem Markt. Bei SAP tauchen bis zu 10 Werkzeuge auf, bei MS kann man immerhin noch 3-4 zählen.