SAP HANA 2

Am 08.11.2016 hat SAP zum Start der SAP TechEd Barcelona das Release 2 der HANA-Datenbank vorgestellt. Geplantes Releasedatum für Kunden ist der 30.11.2016. Kurz darauf soll es auch die HANA 2 Express Edition geben, um Entwicklern einen schnellen Zugriff zu ermöglichen.

Bernd Leukert hat HANA 2 wie folgt angekündigt und beschrieben:

“The first version of SAP HANA is the synonym for real time processing of data. It’s already the backbone of thousands of major companies,” said Leukert. “I’m proud to officially announce today SAP HANA 2, which will be released at end of November. This next generation of SAP HANA is the digital foundation to transform any business, helping IT shift focus to innovation, continuing to evolve data management and application development.”

Wer mag, kann sich hier direkt die Ankündigung anschauen.

Bzgl. Analytics soll HANA 2 folgende Erweiterungen liefern:

„Analytical intelligence: Developers are embedding rich insight into applications with enhanced analytical processing engines for text, spatial, graph and streaming data. For example, new algorithms for classification, association, time series and regression have been added to the predictive analytics library to empower data scientists to discover new patterns and incorporate machine learning into custom applications.“

Wenn auch der Zusammenhang aus den bisherigen Meldungen mir noch nicht ganz klar ist, hat SAP zeitgleich cloudbasierte SAP HANA Microservices im Bereich Analytics angekündigt:

  • TEXT ANALYSIS ENTITY EXTRACTION – Ein Service zum hervorheben wichtiger Informationen in unstrukturierten Daten.
  • TEXT ANALYSIS FACT EXTRACTION – Ein Service zur Sentimentanalyse, bspw. bzgl. eines Produktes oder eines vom Unternehmen angebotenen Services. Ebenso einen Service bzgl. Öffentlicher Veranstaltungen (Public Sector) bspw. zur Risikoabschätzung sowie einen Service zur Analyse von Unternehmensereignissen (Enterprise) wie personelle Veränderungen oder die Neueinführung von Produkten.
  • TEXT ANALYSIS LINGUISTIC ANALYSIS – Ein Service zur Sprachanalyse, bspw. um welche Sprache es sich handelt oder im Weiteren der linguistischen Analyse des geschrieben selbst.
  • Earth Observation Analysis Service – Ein Service zur Auswertung von Satelliteninformationen bzgl. der Erde. Aktuell in der Beta-Version.

SAP verspricht sich von einer Microservices Architektur Folgendes:

  • Independence from the business domain, devices, and environments
  • Nonproprietary environment that offers freedom to choose the programming languages and underlying database technologies as well as gaining portability of services and applications between cloud infrastructures
  • Prebuilt business processes that allows organizations to develop new ways to utilize application data and services easily and flexibly, and scale to changing requirements

Bis zur Veröffentlichung Ende November wird evtl. noch die eine oder andere Information zu neuen Features fließen. Ab 01.12.2016 informiert die SAP dann in 12 Webinaren über die Neuigkeiten.

Bis dahin bietet die aktuelle HANA 2 FAQ Antwort auf wenigstens ein paar Fragen.

SAP’s Wege zum Data Warehouse

Es ist immer wieder interessant, SAP dabei zuzuschauen, wie man aktuell z. B. im BI-Frontendbereich auf Vereinfachung (Simplification) setzt, andererseits im Bereich Data Warehouse einen Strauß bunter Lösungen entstehen lässt, der kaum noch überschaubar ist. Im Folgenden ein wenig die Geschichte, soweit diese für mich nachvollziehbar ist.

SAP BW erblickte 1997 mit dem Release 1.2A als Business Information Warehouse das Licht der Welt. Nach Jahren der Weiterentwicklung hat die SAP 2016 dem Produkt SAP BW ein Ende gesetzt, nur um es unter dem Namen SAP BW/4HANA neu auferstehen zu lassen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Bereits mit dem Kauf von BusinessObjects und Sybase ließ sich bereits eine komplett vom SAP BW eigenständige BI- und Data Warehouse-Umgebung schaffen. Mit dem Aufkommen von HANA (als damals High-Performance ANalytical Applicance) war schnell klar, dass hier auch etwas neues entsteht. Und so bewirbt die SAP das HANA Data Warehouse, welches bereits 2013 von Thomas Zurek angedeutet wurde.

SAP BW stellen jedoch nicht die Ursprünge des Data Warehouses von SAP da. Bereits vorher war dies bei SAP vielfältig ein Thema. Geht man heute im SAP ERP durch den Customizing-Leitfaden, so findet man nach wie vor beispielsweise im Logistik-Umfeld das Logistics Data Warehouse.

Wenn man bei SAP also von Data Warehouse redet, muss man sich wirklich erstmal Fragen, welches man hier meint.

 

Pre-SAP BW (ERP DWH-Ansätze)

Ja auch heute noch stößt man bei vielen Unternehmen auf die verschiedenen Ausprägungen, welche noch deutlich weiter als das SAP BW zurückreichen. Da gibt es das Logistik-Informationssystem (LIS), welches für verschiedene Logistik-Module vorkonfigurierte, verdichtete Datenebenen bietet und quasi ein embedded Realtime-Reporting mit einer oft akzeptablen Performance liefert. Mit dem bereits erwähnten Logistic Data Warehouse, war (und ist) es möglich eigene Verdichtungsebenen und Fortschreibungsregeln zu definieren um dann flexibel darauf auswerten zu können. Wer BW-Releases vor 7.0 kennt und sich die Fortschreibung im LIS einmal angeschaut hat, wird überrascht gewesen sein und danach wissen, woher das Fortschreibungskonzept dafür stammte.

Auch vom CO-PA kennt man verschiedene Verdichtungsebenen und Auswertungswerkzeuge. Das Ganze gipfelt im EIS/FIS – also im Führungsinformationssystem, welches schon den Ansatz hat, sich auch den verschiedenen Informationssystemen oder auch externen Daten eine Datenbasis auszuwerten, welche flexibel ausgewertet werden kann.

Auch wenn hier Teile wie gesagt durchaus in vielen Unternehmen noch aktiv sind, so wurde doch irgendwann aus sicherlich vielfältigen und nachvollziehbaren Gründen (Performance, Systemlast, Flexibilität, …) entschieden einen Schritt weiter zu gehen. Dieser Schritt war SAP BW.

 

SAP BW

Wie anfangs erwähnt, hat das SAP BW seinen Anfang etwa 1997 oder 1998 mit dem veröffentlichen Release 1.2A. Das Projekt startete als “Reporting Server”, was möglicherweise die Grundlage für die bekannten RS*-Transaktionen gelegt haben dürfte.

Der Sprung zum Release 2.0 kam im August 2000 mit 2.0B, bei dem z. B. das Operational Data Store seinen Weg ins BW gefunden hat. Eine gewisse Erfolgsgeschichte, haben sich daraus doch 3 Varianten und zuletzt das Advanced DSO entwickelt. Im Dezember 2000 folgte bereits 2.1C.

Mit dem Release 3.0A wechselte der Name von Business Information Warehouse mit dem Akronym BIW zu noch kürzer BW.

Ein großer Sprung ereignete sich dann wieder März 2004. Damals kam das Thema Netweaver auf, und das BW-Release 3.5 war Teil von SAP Netweaver 2004.

Vermutlich am 06.06.2006 gab es ein einen großen Releasesprung. Zuerst unter dem Namen SAP NetWeaver 2014s BI capabilities (so wurde mir das damals von SAP gesagt 😉 ) sollte dies das Release SAP BI 7.0 werden. Eine kurze Periode, in der die SAP dem BW den Namen Business Intelligence verpasste. Kurz deshalb, weil SAP 2007 ein Übernahmeangebot für BusinessObjects machte und 2008 diese vollendete. BI wanderte vom BW zu BusinessObjects und das BW bekam mit dem Release 7.3 offizell wieder seine Bezeichnung BW zurück.

Noch ein wichtiger Meilenstein kam mit dem 7.0-Release. Der BWA (Business Warehouse Accelerator), damals noch unter dem Namen BIA (Business Intelligence Accelerator) wurde released. Der erste Ausflug in die In-Memory Welt für SAP BI/BW und der Vorläufer von HANA.

Mit dem Release 7.3 gab es neben der Rückkehr zum Namen BW auch noch zum nächsten großen Sprung. Mit SAP BW powered by SAP HANA. Mit SAP HANA hatte SAP Ende 2010 einen großen Schritt gewagt und heute, knapp 6 Jahre später fast ihre gesamt Produktstrategie darauf ausgerichtet. Nur etwa 1 Jahr später ging SAP BW 7.3 SP5 in den Ramp-Up für HANA.

Im März 2014 folgte das Release SAP BW 7.4. Dieses Release sollte die möglichkeiten von HANA deutlich besser ausnutzen und neue Features auf Basis der HANA-Technologie liefern. Als Enabler für das Logical Data Warehouse sollte es alle Daten als In-Memory Data Fabric in einen gemeinsam Kontext stellen.

Im Herbst 2015 wurde SAP BW 7.5 vorgestellt. Es soll das letzte seiner Art sein. Das Release wurde in 2 Modi vorgestellt. SAP BW 7.5 powered by SAP HANA und SAP BW 7.5, edition for HANA. Mit dem Modus “edition for HANA” leitete die SAP den nächsten Schritt ein. Ein SAP BW, welches nur noch die neuen, HANA-optimierten Objekte einsetzt und die bisher eingesetzten Modellierungsobjekte wie InfoCubes, Datastore-Objekt, InfoSet, MultiProvider usw. obsolet macht. Neben der Modellierung verändern sich auch auch die Schnittstellentechnologien sowie die Modellierungsfläche, welche für neue Objekte von Anfang an in der Eclipse-Umgebung zu finden war.

 

SAP BW/4HANA

Am 07.09.2016 wurde BW/4HANA offiziell vorgestellt bzw. Verfügbar gemacht. Erste Informationen dazu wurden ab 31.08.2016 bekannt gegeben.

Mit BW/4HANA wurde das SAP BW auf Wartung gesetzt und es wird kein Neues Release mehr geben. BW/4HANA gilt als neues Produkt. Als logischer, jedoch nicht rechtlicher Nachfolger. Das lässt sich leicht darauf erklären, hier eine Menge Code z. B. für die bisherigen Modellierungsobjekte sowie für die BEx-Suite entfernt wurde.

Eine gute Annäherung und Vorstellung, was BW/4HANA bedeutet, bekommt man über die rund um den Startzeitpunkt veröffentlichten Blogs:

Thomas Zurek:

Neil McGovern

Marc Bernard

 

SAP HANA Data Warehouse

Zum SAP HANA Data Warehouse habe ich bereits ein wenig geschrieben und möchte im Wesentlichen darauf und auf die Blogs von Thomas Zurek verweisen:

Thomas Zurek:

Sowie zusammenfassende Blog-Einträge von mir:

 

SAP (Sybase) IQ Data Warehouse

2010 hat SAP Sybase übernommen, welches im Bereich BI/Datenmanagement Lösungen wie Sybase IQ, den PowerDesigner und eine Lösung für Complex Event Processing beisteuerte.

SAP IQ ist im BW-Umfeld am ehesten als Datenbank für Nearline-Storage (NLS) bekannt. Die Datenbank ist spaltenbasiert und auf sehr große Datenmengen (Petabyte). Zuletzt 2014 hat SAP IQ im Zusammenspiel mit SAP HANA einen neuen Weltrekord für das weltgrößte Data Warehouse mit 12,1 Petabyte aufgestellt.

Des weiteren dürfte SAP IQ im Frontendbereich bei SAP Lumira eine gewisse Bekanntheit haben, sollte man sich fragen, wo eigentlich die ganzen Daten gespeichert und verarbeitet werden, welche in die Lumira Desktop-Version integriert werden.

Schaut man sich die lose gekoppelte Umgebung des HANA DWH an, dann liegt der Gedanke nahe, dass man hier eigentlich eine HANA auch gegen eine SAP IQ austauschen könnte. Das scheint aber bei der SAP kein populäres Konzept zu sein.

Eher findet man die Datenbank zur Entlastung von HANA als schneller Nearline-Storage, welcher im Multi-Temperature-Konzept der SAP den Bereich der kalten Daten (cold) abdecken soll.

Alternativ zu IQ als NLS kommt auch immer öfters Hadoop ins Spiel. Vor allem, wenn man über Big Data spricht. Mit HANA Vora hat die SAP hier ja sogar einen eigenen Ansatz vorgestellt.

 

SAP BW/4HANA

Am 31.08.2016 wurde SAP BW/4HANA vorgestellt. Wie SAP S/4HANA ist BW/4HANA ein nur auf HANA laufendes SAP-System. Genau wie S/4 HANA gilt BW/4 HANA NICHT als legaler Nachfolger des SAP BW on HANA. Zukünftige Entwicklungsressourcen werden ganz klar in BW/4 HANA fließen und alle bisherigen SAP BW-Versionen gehen in die Wartung über. Mit dem neuen System wird der Ansatz, welcher mit SAP BW 7.5 begonnen und kurzzeitig unter dem Namen B/4 HANA diskutiert wurde, konsequent fortgesetzt.

SAP sieht das System als „next-generation data warehouse application for running a real-time digital enterprise„:

SAP BW Generationen

Copyright: SAP 2016

SAP möchte damit das Logical Data Warehouse, cloudbasiert (aber zur Not auch On-Premise) und mit HANA Vora für den Data Lake ermöglichen. Man möchte fast sagen: Cloud-, HANA, Big Data-First heißt das Motto.

Nach allem was ich bisher so gesehen habe, lassen sich die wirklichen Neuerungen auf folgende Punkte zusammenfassen:

  • Nur noch HANA, keine andere DB mehr
  • Der Support für SAP BW 7.5 on Any DB endet 2024
  • Kein Legacy-Code (kein InfoCube, Standard DSO, InfoSet, … mehr)
  • SAP NetWeaver wird nicht mit BW/4HANA ausgeliefert
  • Die BEx-Suite wird nicht weiter unterstützt
  • Es werden nur noch ODP-DataSources für SAP-Quellsysteme unterstützt

Die SAP hat zur Veröffentlichung am 31.08. eine zentrale Seite im SCN mit einer Menge weiterführender Informationen eingerichtet.

Auch hat Thomas Zurek (VP of SAP HANA DW) die Neuerungen präsentiert. Jedoch aus meiner Sicht nur weitgehend die Entwicklung zusammengefasst, welche mit BW on HANA zuletzt bereits sichtbar war. Mittlerweile (05./07.09.) hat er jedoch noch etwas nachgelegt und auch das Warum? und den Datenmodellierungsansatz näher erläutert.

Doppelt fleißig war man bei der FAQ. Neben der SAP hat auch John Appleby eine solche zur Verfügung gestellt.

Jetzt sind aber nicht alle ganz so unkritisch, wie bspw. die ASUG, die der SAP News-Meldung kaum nachsteht. Die DSAG mahnt gleich an, bestehende Kunden nicht zu vergessen. Nicht zu unrecht, bedenkt man, dass mit der Ankündigung gleich mal die Weiterentwicklung der SAP BW-Schiene on Any DB ein Ende gesetzt wurde.

Als Berater darf man sich freuen. Sind doch bis 2024 eine Menge BW-Migrationen und ein steigender Beratungsbedarf zu erwarten. Schließlich sind aktuell im Jahre 4 nach BW on HANA gerade mal gut 20 % der SAP-Kunden (3.700 von 17.000) auf HANA. In den nächsten Jahren müssen damit pro Jahr ca. 2.000 BW-Systeme releasegewechselt und auf HANA gebracht werden, womit sich die bisherige Geschwindigkeit verdoppeln würde.

Große Diskussionen kann ich bisher nicht sehen. Fragen, welche gestellt werden sind z.B.:

  • Was sind die Hauptunterschiede zwischen BW 7.5 und BW/4HANA?
  • Laufen auf BW/4HANA weiterhin alle Add-Ons? (SAP Note -> 2189708)
  • Welches Release wird in welche Situation empfohlen?
  • Wie passt das neue Release mit der Übernahme des Big Data-as-a-Service Anbieters Alticscale zusammen?

GA des SAP BW/4HANA 1.0 wird groß zusammen mit Amazon am 07.09.2016 gefeiert. Weitere wichtige Erweiterungen werden dann für Q4/2016 – Q2/2017 erwartet. Auf weitere Informationen in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten kann man also gespannt sein.

SAP & Data Warehouse vs. Data Lake

Ich erinnere mich gut an einige Gespräche mit dem Fachbereich, bei denen mein Gegenüber der Meinung war, Big Data ist, wenn Excel nicht mehr ausreicht. Und dafür hätte man dann ja z. B. SAP BW.

Interessanterweise ist das auch oft das Bild, welches man durchaus bekommen kann. Oft werden Begriffe undifferenziert verwendet und Schlagwörter verwendet wie „wenn wir HANA haben, dann sind alle unsere Probleme gelöst“.

Gut das selbst die SAP mittlerweile erkannt hat, das HANA evtl. doch nicht die Eierlegende Wollmilchsau ist und an der einen oder anderen Stelle auf ergänzende Technologien angewiesen ist. HANA Vora (seit 03/2016 GA) ist so ein Beispiel.

Aber schon zuvor hat sich SAP gemeinsam mit Hortonworks an einer Big Data Reference Architecture versucht. Und wirbt gerne auch direkt bei den CIO’s mit ihrem Angebot, Big Data in den Griff zu bekommen.

Nun, wenn das DWH schon für Big Data steht, wofür benötigt man eigentlich ein HANA Vora oder gar ein Data Lake? Im folgenden möchte ich die beiden Konzepte etwas besser voneinander abgrenzen. Zuvor jedoch soll noch erwähnt sein, dass  DATAVERSITY einen empfehlenswerten Übersichtsartikel zu dem Thema bietet, welcher mich auch dazu inspiriert hat, hier einmal zu schauen, wo SAP sich dabei sieht..

Die erste Erwähnung und Prägung des Begriffs „Data Lake“ stammt wohl vom Chief Technology Officer von Pentaho:

If you think of a datamart as a store of bottled water – cleansed and packaged and structured for easy consumption – the data lake is a large body of water in a more natural state. The contents of the data lake stream in from a source to fill the lake, and various users of the lake can come to examine, dive in, or take samples.

– James Dixon, CTO Pentaho
Quelle: https://jamesdixon.wordpress.com/2010/10/14/pentaho-hadoop-and-data-lakes/

SAP hat aus meiner Sicht hier für kompakte 2 1/2 Minuten gar nicht schlecht ihre Sichtweise für die Bedeutung eines Data Lakes dargestellt.

Wie bekommt man den nun ein Gefühl, wie sich Data Lake tatsächlich von Data Warehouse abgrenzt?

DWHvsDL

Die dargestellten Aspekte zeigen gut, dass ein Data Lake und ein Data Warehouse durchaus sich ergänzenden Ansätze darstellen. Nur weil in den letzten Jahren neue Datenquellen relevanter und verwertbarer geworden sind, sind bisherige Ansätze nicht obsolet. Jedoch muss man auch sehen, dass, obwohl gewisse Ansätze und Zielsetzungen recht ähnlich sind, der Skill und die Herangehensweise doch sehr unterschiedlich sein können.

In ihrer Roadmap zeigt die SAP, dass Sie hier eine gemeinsame technologische Architektur mit einer zentralen HANA-Plattform sieht, in der in einer absehbaren Zukunft auch das SAP BW im HANA Data Warehouse aufgehen wird:

SAP HANA DW-Roadmap

Dabei hat eben auch HANA Vora seinen Platz und wird als verbindender und integrierter Bestandteil zwischen Hadoop und HANA in dieser zukünftigen SAP HANA Data Warehousing Plattform dargestellt:

HANA_DW_Plattform

Die Zeit wird zeigen ob diese doch verschiedenen Ansätze tatsächlich sinnvoll kombiniert werden können und evtl. das eine Konzept in dem anderen aufgeht. Oder ob die Ansätze nur eine theoretische Möglichkeit darstellen, mit welcher man schön Marketing machen kann, welche so jedoch nicht Realität werden wird.

BW vs. S/4 HANA

Viel wird diskutiert darüber, ob mit einer S/4 HANA oder eben auch noch einer Suite on HANA ein SAP BW (on HANA) überhaupt noch notwendig ist.

Schon die Frage ist falsch gestellt. Den es gibt schon abgesehen von der Unternehmensrealität gänzlich verschiedene Grundsituationen.

Beispielsweise hat die DSAG bereits 8 grundlegende Szenarien für Analytics on HANA unterschieden:

8 HANA Bausteine

Quelle: DSAG-Leitfaden SAP HANA

Dann stellt sich ja nicht nur die Frage, BW oder ERP on HANA. Es gibt auch ein embedded BW oder ein HANA DW welche in diesem Zusammenhang wieder ganz andere Aspekte hineinbringen und zu berücksichtigen haben. Genauso kann die aktuelle Prüfung von Cloud-Angeboten eine Rolle spielen. Auch ist ein bestehendes SAP BW-System, in welches man bereits über Jahre viel investiert hat, doch ein starkes Kriterium gegen eine Ablösung durch ein ERP-basiertes Reporting.

Aus meiner Sicht favorisiert und kommuniziert die SAP die Ansätze HANA Live und S/4 HANA Analytics für operatives Reporting in einem Kontext, der i. d. R. auf das eine System und die darin regulär vorkommenden Daten beschränkt ist.

Trotzdem will ich im folgenden eine kurze Übersicht über Aspekte geben, welche eine erste Orientierung geben können, wann S/4 HANA evtl. ausreicht oder nach wie vor ein SAP BW, evtl. eben auch „on HANA“, sinnvoll ist.

BWvsS4HANA

Quelle: eigene Recherchen, DSAG-Leitfaden, Erfahrungswerte

Zuletzt ist jedoch immer eine individuelle Betrachtung der eigenen Situation, sowie der zukünftigen Planung entscheidend.

S/4 HANA

S/4 HANA ist das neue, rein auf der HANA-Datenbank basierende Release der SAP ERP-Software. Durch Optimierungsschritte geht es noch einen Schritt weiter als ein Suite on HANA-System einschließlich sFIN (aka Simple Finance).

Das neue System zeichnet sich u. a. durch folgende Eigenschaften aus:

  • Fiori ist das priorisierte Frontend
  • Vereinfachtes Datenmodel (sFIN, sLOG, sXYZ)
  • Reduktion des Datenvolumens durch Data Aging
  • Integration verschiedener, heute getrennter SAP-Systeme (CRM, SRM, SCM, PLM, BW, …)
  • Realtime Reporting & Analytics

Es gibt viele Diskussionen, was das „S“ in S/4 HANA bedeutet. Auf den Folien von Hasso Plattner bei der offiziellen Vorstellung stand „Business Suite 4 SAP HANA (S/4 HANA)“. Mittlerweile wird jedoch oft von „Simple“ gesprochen. Die 4 schließt sich wiederum gut an die früheren Releases R/1, R/2 und R/3 an, wobei es dazwischen dann eben auch noch bspw. mySAP.com und SAP ERP gab. Es passt in sofern, da SAP das S/4 HANA-System als größte Innovation seit SAP R/3 beschreibt.

Es gibt viele Diskussionen, welche Auswirkungen S/4 HANA auf das SAP BW hat. Mittels HANA Live und Core Data Services (CDS) stehen hier flexible Möglichkeiten für ein zumindest anspruchsvolles operatives Reporting zur Verfügung.

Viele Umstände, welche für ein BW sprechen, haben sich jedoch nicht geändert. Und auch die Präsentation von Hasso Plattner bei der SAPPHIRE 2016 zeigt doch, das SAP BW noch seinen Platz in einer modernen SAP-Systemlandschaft hat und noch lange haben wird. Zeitgleich wird mit dem HANA DW die Öffnung zu neuen Datenquellen und einer flexibleren Modellierung vorangetrieben.

Analysis Path Framework (APF)

Das Analysis Path Framework ist eine Fiori-Anwendung auf Basis der HANA Datenbank.

Es ermöglicht über vorkonfigurierte Pfade eine Schritt für Schritt-Analyse von Daten.

Weiterführende Informationen finden sich im SCN bspw. hier und hier.

Obwohl ursprünglich eher für ein Suite on HANA bzw. S/4 HANA-System gedacht, gibt es ebenso die Möglichkeit, das APF auf einem BW on HANA zu betreiben.

APF ist im SCN lebendig, obwohl ich immer feststelle, dass es kaum jemand im BI-Umfeld kennt.

Die SAP hat für Q3/2016 ein ausführliches Roll-Out-Dokument zur Verfügung gestellt.

 

SAP HANA Information Consumer

Der SAP HANA Information Composer ist ein webbasiertes Werkzeug, welches für den Endanwender im Fachbereich gedacht ist und keine nur wenig technisches Know How voraussetzt.

Es ist in der Kategorie Self Service-Datenmanagement einzuordnen. Dem Anwender wird ermöglicht, lokale Daten (bspw. aus Excel) in die SAP HANA Datenbank zu laden und mit bereits vorhandenen Daten zu kombinieren.

Der SAP HANA Information Composer steht damit im Gegensatz zum SAP HANA Modeler, der innerhalb des SAP HANA Studio’s die Modellierung von Daten für den IT-Bereich ermöglicht.

Ähnliche Ansätze wie beim SAP HANA Information Composer finden sich bei den SAP BW Workspaces (speziell bspw. die Integration mit bestehenden Daten) oder auch bei SAP Lumira (speziell bspw. Data Cleansing-Funktionen).