SAP’s Wege zum Data Warehouse

Es ist immer wieder interessant, SAP dabei zuzuschauen, wie man aktuell z. B. im BI-Frontendbereich auf Vereinfachung (Simplification) setzt, andererseits im Bereich Data Warehouse einen Strauß bunter Lösungen entstehen lässt, der kaum noch überschaubar ist. Im Folgenden ein wenig die Geschichte, soweit diese für mich nachvollziehbar ist.

SAP BW erblickte 1997 mit dem Release 1.2A als Business Information Warehouse das Licht der Welt. Nach Jahren der Weiterentwicklung hat die SAP 2016 dem Produkt SAP BW ein Ende gesetzt, nur um es unter dem Namen SAP BW/4HANA neu auferstehen zu lassen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Bereits mit dem Kauf von BusinessObjects und Sybase ließ sich bereits eine komplett vom SAP BW eigenständige BI- und Data Warehouse-Umgebung schaffen. Mit dem Aufkommen von HANA (als damals High-Performance ANalytical Applicance) war schnell klar, dass hier auch etwas neues entsteht. Und so bewirbt die SAP das HANA Data Warehouse, welches bereits 2013 von Thomas Zurek angedeutet wurde.

SAP BW stellen jedoch nicht die Ursprünge des Data Warehouses von SAP da. Bereits vorher war dies bei SAP vielfältig ein Thema. Geht man heute im SAP ERP durch den Customizing-Leitfaden, so findet man nach wie vor beispielsweise im Logistik-Umfeld das Logistics Data Warehouse.

Wenn man bei SAP also von Data Warehouse redet, muss man sich wirklich erstmal Fragen, welches man hier meint.

 

Pre-SAP BW (ERP DWH-Ansätze)

Ja auch heute noch stößt man bei vielen Unternehmen auf die verschiedenen Ausprägungen, welche noch deutlich weiter als das SAP BW zurückreichen. Da gibt es das Logistik-Informationssystem (LIS), welches für verschiedene Logistik-Module vorkonfigurierte, verdichtete Datenebenen bietet und quasi ein embedded Realtime-Reporting mit einer oft akzeptablen Performance liefert. Mit dem bereits erwähnten Logistic Data Warehouse, war (und ist) es möglich eigene Verdichtungsebenen und Fortschreibungsregeln zu definieren um dann flexibel darauf auswerten zu können. Wer BW-Releases vor 7.0 kennt und sich die Fortschreibung im LIS einmal angeschaut hat, wird überrascht gewesen sein und danach wissen, woher das Fortschreibungskonzept dafür stammte.

Auch vom CO-PA kennt man verschiedene Verdichtungsebenen und Auswertungswerkzeuge. Das Ganze gipfelt im EIS/FIS – also im Führungsinformationssystem, welches schon den Ansatz hat, sich auch den verschiedenen Informationssystemen oder auch externen Daten eine Datenbasis auszuwerten, welche flexibel ausgewertet werden kann.

Auch wenn hier Teile wie gesagt durchaus in vielen Unternehmen noch aktiv sind, so wurde doch irgendwann aus sicherlich vielfältigen und nachvollziehbaren Gründen (Performance, Systemlast, Flexibilität, …) entschieden einen Schritt weiter zu gehen. Dieser Schritt war SAP BW.

 

SAP BW

Wie anfangs erwähnt, hat das SAP BW seinen Anfang etwa 1997 oder 1998 mit dem veröffentlichen Release 1.2A. Das Projekt startete als “Reporting Server”, was möglicherweise die Grundlage für die bekannten RS*-Transaktionen gelegt haben dürfte.

Der Sprung zum Release 2.0 kam im August 2000 mit 2.0B, bei dem z. B. das Operational Data Store seinen Weg ins BW gefunden hat. Eine gewisse Erfolgsgeschichte, haben sich daraus doch 3 Varianten und zuletzt das Advanced DSO entwickelt. Im Dezember 2000 folgte bereits 2.1C.

Mit dem Release 3.0A wechselte der Name von Business Information Warehouse mit dem Akronym BIW zu noch kürzer BW.

Ein großer Sprung ereignete sich dann wieder März 2004. Damals kam das Thema Netweaver auf, und das BW-Release 3.5 war Teil von SAP Netweaver 2004.

Vermutlich am 06.06.2006 gab es ein einen großen Releasesprung. Zuerst unter dem Namen SAP NetWeaver 2014s BI capabilities (so wurde mir das damals von SAP gesagt 😉 ) sollte dies das Release SAP BI 7.0 werden. Eine kurze Periode, in der die SAP dem BW den Namen Business Intelligence verpasste. Kurz deshalb, weil SAP 2007 ein Übernahmeangebot für BusinessObjects machte und 2008 diese vollendete. BI wanderte vom BW zu BusinessObjects und das BW bekam mit dem Release 7.3 offizell wieder seine Bezeichnung BW zurück.

Noch ein wichtiger Meilenstein kam mit dem 7.0-Release. Der BWA (Business Warehouse Accelerator), damals noch unter dem Namen BIA (Business Intelligence Accelerator) wurde released. Der erste Ausflug in die In-Memory Welt für SAP BI/BW und der Vorläufer von HANA.

Mit dem Release 7.3 gab es neben der Rückkehr zum Namen BW auch noch zum nächsten großen Sprung. Mit SAP BW powered by SAP HANA. Mit SAP HANA hatte SAP Ende 2010 einen großen Schritt gewagt und heute, knapp 6 Jahre später fast ihre gesamt Produktstrategie darauf ausgerichtet. Nur etwa 1 Jahr später ging SAP BW 7.3 SP5 in den Ramp-Up für HANA.

Im März 2014 folgte das Release SAP BW 7.4. Dieses Release sollte die möglichkeiten von HANA deutlich besser ausnutzen und neue Features auf Basis der HANA-Technologie liefern. Als Enabler für das Logical Data Warehouse sollte es alle Daten als In-Memory Data Fabric in einen gemeinsam Kontext stellen.

Im Herbst 2015 wurde SAP BW 7.5 vorgestellt. Es soll das letzte seiner Art sein. Das Release wurde in 2 Modi vorgestellt. SAP BW 7.5 powered by SAP HANA und SAP BW 7.5, edition for HANA. Mit dem Modus “edition for HANA” leitete die SAP den nächsten Schritt ein. Ein SAP BW, welches nur noch die neuen, HANA-optimierten Objekte einsetzt und die bisher eingesetzten Modellierungsobjekte wie InfoCubes, Datastore-Objekt, InfoSet, MultiProvider usw. obsolet macht. Neben der Modellierung verändern sich auch auch die Schnittstellentechnologien sowie die Modellierungsfläche, welche für neue Objekte von Anfang an in der Eclipse-Umgebung zu finden war.

 

SAP BW/4HANA

Am 07.09.2016 wurde BW/4HANA offiziell vorgestellt bzw. Verfügbar gemacht. Erste Informationen dazu wurden ab 31.08.2016 bekannt gegeben.

Mit BW/4HANA wurde das SAP BW auf Wartung gesetzt und es wird kein Neues Release mehr geben. BW/4HANA gilt als neues Produkt. Als logischer, jedoch nicht rechtlicher Nachfolger. Das lässt sich leicht darauf erklären, hier eine Menge Code z. B. für die bisherigen Modellierungsobjekte sowie für die BEx-Suite entfernt wurde.

Eine gute Annäherung und Vorstellung, was BW/4HANA bedeutet, bekommt man über die rund um den Startzeitpunkt veröffentlichten Blogs:

Thomas Zurek:

Neil McGovern

Marc Bernard

 

SAP HANA Data Warehouse

Zum SAP HANA Data Warehouse habe ich bereits ein wenig geschrieben und möchte im Wesentlichen darauf und auf die Blogs von Thomas Zurek verweisen:

Thomas Zurek:

Sowie zusammenfassende Blog-Einträge von mir:

 

SAP (Sybase) IQ Data Warehouse

2010 hat SAP Sybase übernommen, welches im Bereich BI/Datenmanagement Lösungen wie Sybase IQ, den PowerDesigner und eine Lösung für Complex Event Processing beisteuerte.

SAP IQ ist im BW-Umfeld am ehesten als Datenbank für Nearline-Storage (NLS) bekannt. Die Datenbank ist spaltenbasiert und auf sehr große Datenmengen (Petabyte). Zuletzt 2014 hat SAP IQ im Zusammenspiel mit SAP HANA einen neuen Weltrekord für das weltgrößte Data Warehouse mit 12,1 Petabyte aufgestellt.

Des weiteren dürfte SAP IQ im Frontendbereich bei SAP Lumira eine gewisse Bekanntheit haben, sollte man sich fragen, wo eigentlich die ganzen Daten gespeichert und verarbeitet werden, welche in die Lumira Desktop-Version integriert werden.

Schaut man sich die lose gekoppelte Umgebung des HANA DWH an, dann liegt der Gedanke nahe, dass man hier eigentlich eine HANA auch gegen eine SAP IQ austauschen könnte. Das scheint aber bei der SAP kein populäres Konzept zu sein.

Eher findet man die Datenbank zur Entlastung von HANA als schneller Nearline-Storage, welcher im Multi-Temperature-Konzept der SAP den Bereich der kalten Daten (cold) abdecken soll.

Alternativ zu IQ als NLS kommt auch immer öfters Hadoop ins Spiel. Vor allem, wenn man über Big Data spricht. Mit HANA Vora hat die SAP hier ja sogar einen eigenen Ansatz vorgestellt.

 

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